AUSZUG AUS DEM VORWORT UNSERES BISCHOFS JEAN-PIERRE DELVILLE

Die Kirche, Ort der Begegnung mit Gott

„Mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker sein“: Dieses Wort Gottes, gesprochen vom Propheten Jesaja (56,7), wird von Jesus bezüglich des Tempels von Jerusalem wiederholt (Matthäus 21,13). So wird das Haus Gottes auch als ein Haus der Völker definiert. Dies könnte für jede unserer Kirchen gelten. In der Tat verwendet das römische Messbuch beim Jahresgedächtnis einer Kirchweihe, diesen biblischen Satz als Antwortgesang zur Kommunion1. Er schlägt auch zur Eröffnung der Feier folgenden Vers vor: „Lasst uns Gott in seiner heiligen Heimat verehren. Er lässt die Seinen in seinem Haus wohnen.2“ Diese beiden Verse der Liturgie erzählen uns die Geschichte einer Begegnung, nämlich der Christen mit ihrem Gott in Seinem und ihrem Haus: der Kirche.

Dies wird in der Liturgie3 mit einer reichen Symbolik beschrieben, die sich in zwei Teilen entwickelt: dem Teil „Haus Gottes“ und dem Teil „Heimat des Volkes“. Zur ersten Bedeutung finden wir Ausdrücke wie: „Wohnort der Herrlichkeit Gottes (Psalm 26,8), sichtbarer Tempel (Lukas 19,45-48), Wohnung Gottes unter den Menschen (Offenbarung 21,1-5), …“ Zur zweiten Bedeutung entdecken wir folgende Worte: „Gebetshaus (Mk 11,11-25), neues Jerusalem (Offenbarung 21,2), lebendige Steine eines geistigen Hauses (1 Petr 2,4-10), Tempel Gottes (1. Korinther 3,9-17) …“ Wie es in der Präfation der Kirchweihmesse heißt: „In jedem Haus des Gebets wohnst du als Spender der Gnade, als Geber alles Guten: Denn du erbaust uns zum Tempel des Heiligen Geistes […]. Im sichtbaren Bau erkennen wir das Bild deiner Kirche, die du zur Braut erwählt hast.“

Früher war die Heiligkeit des Ortes vorrangig: „Ehrfurchtsgebietend ist dieser Ort. Hier ist Gottes Haus, die Pforte des Himmels“, heißt es im Eröffnungsvers der Kirchweihmesse im alten ordo der Liturgie4. Dieser Text erinnert an den Ort, an dem der Patriarch Jakob im Traum eine Leiter sah, die die Erde und den Himmel verband und die er „Bet-El“ nannte, im Hebräischen „Haus von El“, „Haus Gottes“ (Genesis 28,17-19). Diese Symbolik ist Gegenstand von Skulpturen aus der Vorhalle der Sankt-Jakobs-Kirche in Lüttich, die an die Handwerker des Gotteshauses im ersten Bund erinnert5. […]

1 Missale romanum ex decreto Sacrosancti oecumenici Concilii Vaticani II instauratum, auctoritate Pauli PP. VI promulgatum. Editio typica, Vatikan Staat, 1970, S. 665.
2 franz. Sonntagsmissel, vorgestellt durch Pierre Jounel, Tournai, 1971, S. 325. Dies ist auch der Eröffnungsgesang des 17. Sonntag im Jk, inspiriert von Psalm 65,6-7 in seiner lateinischen Version.
3 Missel romain, Tournai, 1974, S. 488-491.
4 Missale romanum. Editio juxta typicam, Rome, 1961, S. [41]; übernommen im Missale romanum. Editio typica, Vatikan Staat, 1970, S. 665 (aber nicht in der franz. Übersetzung).
5 Jean-Pierre Delville, Yves Jacques und Xavier Tonon, La restauration du porche de l’église Saint-Jacques à Liège, in Bulletin de la Commission royale des monuments, sites et fouilles, t. X (2017), S. 55-79.

ACTA 2 des Jahres 2018 – Diözesane Leitlinien zur Verwaltung der materiellen Belange der Kulte