Solidarität mit Haiti im Zeitalter des Coronavirus

Ein Vorschlag von „Miteinander Teilen“

 

Liebe Brüder und Schwestern,

Die weltweite Flutwelle der Coronavirus-Epidemie durchdringt unser tägliches Leben und unsere Medien. Was bleibt von unserem Leben und unseren Projekten übrig?

Der unsichtbare Feind

Jeder ist auf die eine oder andere Weise betroffen: in seiner Arbeit, zu Hause, in seiner Gesundheit, in seiner Moral, in seinen Beziehungen. Das Virus ist angekommen, es ist ein unsichtbarer Feind und wir versuchen uns zu schützen. Wir sind isolierter als gewöhnlich und müssen viele Dinge akzeptieren lernen. Wir müssen auch Entscheidungen treffen, uns organisieren, uns an Anweisungen halten und unseren Lebensstil anpassen.

Das Weltgeschehen steht still

Es sieht so aus, als stände das Weltgeschehen still, und es gibt nur noch eine einzige Information in den Medien: das Coronavirus. Man könnte meinen, dass es keine anderen Dinge mehr gibt. Wie Andrea Riccardi am 18. März 2020 sagte, haben wir unseren Sinn für Geschichte verloren, als ob es keine gemeinsamen Ziele, keine großen Ereignisse, keine anderen Kämpfe mehr gibt!
Alle Projekte werden zurückgestellt und verschwinden in Schubladen. Termine, die den Tagesablauf eines jeden ausmachen, werden annulliert, Besprechungen verschoben. Das Risiko besteht nun darin, sich nur noch mit sich selbst, seinen Problemen, seiner Gesundheit, seiner Familie und seinen Nächsten zu befassen.

Die Lehren der Gegenwart

Wenn uns das Coronavirus jedoch eines gelehrt hat, dann die Tatsache, dass die Globalisierung existiert: Das Virus wurde in wenigen Wochen in die ganze Welt getragen, aus dem tiefsten China bis in alle Kontinente. Wenn es eine Globalisierung für Krankheit und Medien gibt, wie sieht es dann mit der Solidarität aus?
Eine zweite Sache, die wir entdeckt haben, ist unsere Zerbrechlichkeit: Es braucht nur ein kleines Virus, um die gesamte Gesellschaft lahm zu legen und eine ernsthafte wirtschaftliche und soziale Krise hervorzurufen.
Jeder ist betroffen, vom Ärmsten bis zum Mächtigsten. Plötzlich sind Szenen der Not nicht mehr den armen Ländern vorbehalten, sondern haben auch die reichen Länder erreicht. Wie also reagieren?
Diese Krise zwingt uns, unsere wahren Werte wiederzuentdecken: den Sinn der sozialen Beziehung, den Sinn von Nüchternheit, den Sinn unserer weltweiten Abhängigkeit voneinander. Möge die Krise uns helfen, diejenigen wieder wahrzunehmen, die mehr und häufiger leiden als wir! Möge sie neues Licht auf unsere Pläne und Hoffnungen werfen.

Unser Engagement für Haiti

Eines dieser hoffnungsvollen Projekte ist das von Miteinander Teilen, der Solidaritäts-NRO der katholischen Kirche, das sie für die diesjährige Fastenaktion vorbereitet hat: Es konzentriert sich auf die Situation in Haiti. Diese sehr arme Insel, die vor zehn Jahren von einem schrecklichen Erdbeben heimgesucht wurde, konnte noch nicht wieder aufgebaut werden. Die halb zerstörte Kathedrale ist zum Symbol der Armut, aber auch des Glaubens geworden! Denn hinter den Ruinen gibt es zahlreiche Aktivitäten von dynamischen Gruppierungen, wie diejenigen, die die Landwirtschaft naturnah und ökologisch wieder aufbauen. Sie entwarfen Projekte, die durch ortsansässige Gemeinschaften geleitet werden, die ihr Schicksal und ihre Verantwortung in die eigenen Hände genommen haben. Diese zukunftsorientierten Organisationen möchten wir mit der Fastenaktion unterstützen. Alle Projekte, die auf Basis der Zusage unserer Unterstützung vorbereitet wurden, können wir nicht sich selbst überlassen. Ihre dynamischen Akteure müssen gefördert werden. Die Turbulenzen hierzulande dürfen uns die Menschen dort nicht vergessen lassen.
Alle belgischen Mitarbeiter von Miteinander Teilen, Ehrenamtliche und Hauptberufliche, sind auf Ihre Unterstützung angewiesen. Wie Sie wissen, werden die Spenden im Rahmen der Fastenaktion von Miteinander Teilen, einer von der belgischen Regierung anerkannten NRO (Nicht-Regierungs-Organisation), vom belgischen Staat mit vier multipliziert. Für jeden gespendeten Euro erhält die lokale Bevölkerung über das von der belgischen Regierung anerkannte Projekt fünf. Vergessen Sie daher bitte nicht die beiden Fastenkollekten am 4. Fastensonntag und am Palmsonntag, auch wenn Sie nicht zur Kirche gehen können, um zu beten und Ihr Opfer darzubringen. Da keine Geldkollekte stattfindet, leisten Sie eine Spende mit der Mitteilung „6573 Fastenaktion 2020“ per Banküberweisung auf das Konto BE68 0000 0000 3434 von Miteinander Teilen, 32 rue du Gouvernement Provisoire, 1000 Brüssel, oder über die Website www.entraide.be/don.

Eine spirituelle Inkubation

Im Evangelium vom 5. Fastensonntag (Joh. 11,1-45) sehen wir Jesus, der bei seinem plötzlich verstorbenen Freund Lazarus weint. Jesus nimmt den Schmerz hin, der durch den Tod seines Freundes und die Trauer dessen Schwestern verursacht wird. Nach dieser schmerzhaften Erfahrung gibt Jesus Lazarus das Leben wieder. Die Auferstehung erforderte eine Inkubation.
Daher ist das Leid aufgrund des Coronavirus für uns eine Zeit der spirituellen Inkubation, eine Zeit der Meditation, die uns lebenswichtige Energien geben wird, um die Zukunft zu gestalten. Das Coronavirus weckt Kräfte in uns, um uns mit den Ärmsten und insbesondere mit denen auf Haiti solidarisch zu zeigen!

Bitte vergessen Sie sie nicht, auch in unserer Notlage! Vielen Dank für Ihre Solidarität in dieser Krisenzeit!

† Jean-Pierre Delville, Bischof von Lüttich, zuständig für Miteinander Teilen