Firmungen – Sankt-Joseph-Kirche, Eupen
Sonntag, dem 11. Oktober 2020

Liebe Brüder und Schwestern, Liebe Firmlinge,

Zunächst möchte ich euch für die Briefe danken, die ihr mir geschrieben habt um das Firmsakrament zu erhalten. Jede Firm-Vorbereitungsgruppe hat mir einen Brief geschickt. Darin schreibt ihr zum Bespiel:

„Ich freue mich, die Erfahrung mit Gott, Jesus, und dem heiligen Geist gemacht zu haben.“
„Ich freue mich das Sakrament der Firmung erhalten zu dürfen, um in der Nähe von Gott zu sein“
„Ich freue mich das Sakrament der Firmung erhalten zu dürfen, um meinen Glauben auf zu frischen und ihn neu zu festigen.“
 „Ich hoffe, dass mein Glauben mich stärkt und wachsen lässt.“
„Ich fühle mich durch die Firmung vollständig als Christ.“
„Ich möchte weiter ein Teil dieser großen Familie sein, in der ich mich wohl fühle, da sie Werte wie Frieden, Liebe und Toleranz vermittelt / vorlebt.“
„Ich habe mich entschieden meine Firmung zu machen und freue mich daran teilzunehmen.“

Und deshalb seid ihr heute an diesem besonderen Tag anlässlich eurer Firmung mit euren Paten, Eltern, Familien, Freunden als Teil der Gemeinschaft dieses Pfarrverbandes anwesend.

Wir haben soeben die Pfingstbotschaft gehört. Die Jünger Jesu waren am Pfingstfest versammelt, wie uns die Apostelgeschichte berichtet (Apg 2, 1-11). Trotz des Todes Jesu blieben die Jünger zusammen in Begleitung von Maria und anderen Frauen und befanden sich in demselben Raum, in dem die Jünger das letzte Mahl mit Jesus geteilt hatten; nämlich dem letzten Abendmahl.

Dies war nicht so einfach, denn sie hatten Angst, so wie Jesus zuvor, festgenommen zu werden. Sie blieben daher unter sich! Es erinnert uns an unsere aktuelle Corona-Situation, die uns zwingt, unsere gemeinsamen Treffen einzuschränken und zu Hause, halb weggesperrt, unter uns zu bleiben. Wie die Jünger können auch wir Angst vor der Situation haben, da wir die Zukunft oder das, was vor uns liegt, nicht richtig vorhersagen können. Was aber an den Jüngern Jesu auffällt, ist, dass sie zusammen bleiben, eine Gemeinschaft bilden, eine spirituell geeinte Familie. Tief in ihrem Herzen behalten sie Hoffnung. Auch wir haben Hoffnung für unser Leben: Zeichen dieser Hoffnung, sind all die jungen Menschen, die gleich (gefirmt werden) das Sakrament der Firmung erhalten. Sie wollen in ihrem Glauben gestärkt werden und das Licht des Heiligen Geistes empfangen, das unser Leben erleuchtet.

Dies geschah, trotz ihrer Angst, auch mit den Jüngern. Sie blieben trotz der körperlichen Abwesenheit Jesu treu. Diese Treue im Gebet hat es ihnen ermöglicht, zusammen eine außergewöhnliche Erfahrung zu machen, ein neues Pfingsten, eine neue Manifestation Gottes. Sie erhalten die Gabe des Geist Gottes, des Heiligen Geistes und die Gabe einer neuen Frohen Botschaft, das Geschenk der Zungen. Jesus hatte ihnen diesen Heiligen Geist nach seiner Auferstehung versprochen. Als er den Jüngern erschien, sagte er zu ihnen: « Empfangt den Heiligen Geist » (Joh. 20, 19-23).

Auf die gleiche Weise, durch das Sakrament der Firmung, empfangen junge Menschen und Erwachsene heute diese Gabe des Heiligen Geistes, diese neue Gegenwart Gottes und Sein Wort in ihnen.

Am Pfingsten erscheint der Geist in Form von Zungen, die « wie Flammen wirken » und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederlassen. Diese Zungen symbolisieren die neue Sprache, die die Jünger sprechen werden, eine feurige, enthusiastische und anregende Sprache. Die Jünger waren tatsächlich erfüllt vom heiligem Geist, vom heiligem Atem.

Daraufhin verlassen sie das Haus und beginnen auf der Straße zu reden. Und die Menschen verstanden sie in ihrer eigenen Sprache. Die Jünger sprechen eine Sprache, die der Sprache der Menschen auf der Straße entspricht. Man könnte sagen, dass sie die Sprache der Nächstenliebe, der Liebe sprechen, die eine universelle Sprache ist. Sie fürchten sich nicht mehr. Zuvor hatten sie Angst und blieben schweigsam. Auch wir haben manchmal Angst zu sprechen. Doch die Jünger von Jesus überwanden diese Angst am Pfingsttag. Und während sie die kraftvolle Sprache der Nächstenliebe sprechen, versteht sie jeder.

Wir brauchen Zeugen des Friedens in unserer Welt, in der so viele Kriege und Gewalt herrschen. Der Heiliger Geist ist die Hoffnung auf Frieden in der Welt und auf das Verständnis aller Sprachen und Kulturen der Welt. Ihr habt eben gehört wie wiele Nationen am Pfingsttag in Jerusalem vertreten waren. Alle verstehen sich und verstehen die Sprache der Jünger.

Lasst uns darum beten, dass die gesamte Menschheit den Weg zum Frieden findet. Lasst uns für die Firmlinge beten, die diesen Geist des Friedens und des Dialogs erhalten. Beten wir gemeinsam für die Eltern, Firmpaten und alle Familien, damit sie diesen Glauben in ihrem Umfeld und Bekanntenkreis bezeugen. Lasst uns für jeden von uns beten, damit wir den Geist Gottes in uns lebendig halten und ihn um uns herum bezeugen. Amen! Halleluja!

+ Jean-Pierre Delville, Bischof von Lüttich.