Pfingstbotschaft

Jean-Pierre Delville, Bischof von Lüttich

31. Mai 2020

„Komm, Heiliger Geist! Erfülle die Herzen deiner Gläubigen.
Entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe“.

Liebe Freunde, dieser Ruf, der in der Liturgie an Pfingsten vor der Lesung des Evangeliums gesprochen oder gesungen wird, könnte Ihnen in diesem Jahr wegen der sanitären Maßnahmen im Rahmen der Coronakrise vorenthalten werden! Auch wenn wir diesen Ruf in der Pfarrgemeinschaft nicht hören dürfen, können wir doch darüber meditieren und ihn auf unser Leben anwenden. Wir könnten zum Beispiel sagen: „Komm, Heiliger Geist! Sei präsent in dieser Zeit der Pandemie und der Ungewissheit! Gib uns Deinen Atem, wenn wir erschöpft sind! Erneuere unsere Herzen, wenn wir entmutigt sind! Entzünde in uns das Feuer deiner Liebe, damit wir aus der Isolation und Einsamkeit herauskommen“.

Ja, wir brauchen diesen Geist, der unser Leben und unseren Alltag erleuchtet. Es ist wie bei den ersten Jüngern Jesu. Pfingsten war für sie ein Tag des Umbruchs. Bis dahin fühlten sie sich bedroht und blieben in einem Haus in Jerusalem eingeschlossen. Bis dahin hatten sie sich aus Angst und Vorsicht zurückgezogen. Doch am Pfingsttag erhielten sie neue Kraft, sie erlebten einen Schock. Sie empfingen den Geist Gottes in ihrem Leben. Dies gab ihnen die Fähigkeit, über Christus zu sprechen und seine Auferstehung zu bezeugen.

Deshalb wünsche ich mir heute ein neues Pfingsten. Unsere Welt muss eine Revolution der Liebe erleben; sie muss mehr Gerechtigkeit und Solidarität praktizieren.

Pfingsten war bereits zur Zeit Jesu ein Fest für die Juden. Es fand fünfzig Tage nach Ostern statt. Der fünfzigste Tag ist der Tag, der sieben Wochen von jeweils sieben Tagen krönt, das heißt neunundvierzig plus einen. Sieben bedeutet Perfektion, sieben Wochen bedeuten Perfektion im Quadrat. Pfingsten ist also die Vollendung des Osterfestes. Wenn Ostern für die jüdische Welt an den Auszug aus Ägypten erinnert, so erinnert Pfingsten an das Geschenk des Gesetzes durch Gott auf dem Sinai, nachdem das Volk sieben Wochen lang in der Wüste unterwegs war. Das Gesetz wird auch Dekalog genannt, was zehn Worte bedeutet. Es geht um zehn Worte des Lebens. Es ist eine neue Sprache, eine Sprache der Liebe.

In diesem Zusammenhang hatten sich die Jünger Jesu am Pfingstfest versammelt, wie uns die Apostelgeschichte berichtet (Apg 2,1-11). Wie Moses erhielten auch sie ein Wort des Lebens. Sie behielten es nicht für sich, sie gingen aus dem Haus und begannen, auf der Straße zu sprechen. Und die Menschen verstanden sie in ihrer eigenen Sprache. Die Jünger sprachen eine Sprache, die sich mit der Sprache des Volkes verband. Man könnte sagen, dass sie die Sprache der Liebe sprechen, eine universelle Sprache.

Wir brauchen dringend Zeugen dieser Liebe in unserer Welt, in der es so viel Krieg und Gewalt gibt. Deshalb freue ich mich, an diesem Pfingstsonntag ankündigen zu können, dass unsere Diözese ihren Mitarbeiterstab, d.h. ihren Bischofsrat, erneuern wird, um die Vermittlung des Evangeliums zu erneuern. Für Ostbelgien wurde ein neuer bischöflicher Vikar ernannt, Emil Piront, der derzeitige bischöfliche Vikar für die christliche Ausbildung. Er wird Frau Fina Keifens ersetzen, der ich von ganzem Herzen für ihren unermüdlichen Einsatz und ihr unerschütterliches Vertrauen danke. Sie wird weiterhin bei der „Baustelle Pfarren“ mitarbeiten.

Ein neuer Generalvikar ist ernannt worden: Domherr Eric de Beukelaer wird Alphonse Borras ersetzen, dem ich ebenfalls herzlich für seinen immensen Einsatz danke. In 19 Jahren hat er die Mission des Generalvikars mit Talent und Kompetenz in der Diözese Lüttich erfüllt, insbesondere was die Baustelle Pfarren angeht.

Mit der Neuorganisation der Kurie der Diözese Lüttich möchte ich die Zusammenarbeit zwischen allen pastoralen Akteuren verbessern. Das Engagement vieler Laien in verantwortungsvollen Positionen bereichert das Funktionieren der Kirche in bemerkenswerter Weise mit neuen Fähigkeiten und neuen Sensibilitäten, neben denen von Priestern und Ordensmännern und -frauen. Deshalb wird unser neuer Bischofsrat der menschlichen Begleitung derer, die sich für die Kirche engagieren, große Aufmerksamkeit widmen. Wie der Apostel Paulus sagt: « Die Gnadengaben sind verschieden, aber es ist derselbe Geist. Die Dienste sind verschieden, aber es ist derselbe Herr » (1 Kor 12,4-5).

Pfingsten ist daher ein Zeichen der neuen Hoffnung für unsere Diözese Lüttich und für die Kirche in Ostbelgien. Pfingsten ist die Hoffnung auf Frieden in der Welt, denn Pfingsten manifestiert das Verständnis aller Sprachen und Kulturen der Welt. Pfingsten ist ein Fest der Hoffnung für jeden von uns, denn es eröffnet eine neue Zeit, in der der Geist Gottes in all unseren Herzen trotz der gegenwärtigen Prüfungen aktiv ist.

Ich rufe daher das Kommen des Heiligen Geistes auf unsere Diözese und auf alle, die sich dafür einsetzen, herab. „Komm, Heiliger Geist! Erfülle die Herzen deiner Gläubigen. Entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe“.