Osterbotschaft an die älteren Menschen
im Bistum Lüttich:

Helfen Sie uns beim Aufbau einer besseren Welt!

 

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Liebe Seniorinnen und Senioren,

Zunächst meine besten Wünsche für ein frohes Osterfest! Ja, Ostern ist da! Die Kirschbäume blühen! Es ist Frühling! Eines Tages werden die Früchte kommen! Das ist der Triumph des Lebens! Empfangen Sie diesen Kirschblütenzweig als Ostergeschenk!

Doch die Fastenzeit war eine große Herausforderung. Die 40 Tage der Fastenzeit sind zu Tagen der Quarantäne, Isolation und Abgeschiedenheit geworden. Sie haben eine schwere Zeit erlebt, ob zu Hause oder in einem Altersheim. Besuche sind verboten! Kein Lächeln von Besuchern, kein Austausch von Küsschen mehr. Man fühlt sich verlassen.

Und dann diese unsichtbare Bedrohung durch das Coronavirus. Wir schützen uns vor Kontakt, haben Angst, jemandem zu begegnen. Die Pflegekräfte müssen sich mehr denn je aufopfern. Darüber hinaus sind manche von Ihnen am Covid-19 erkrankt. Sie leiden, manche werden ins Krankenhaus eingeliefert; einige sind gestorben, vielleicht auch in Ihrem Umfeld. All dies beeinträchtigt unser Wohlbefinden.

Ich verstehe, dass Sie Angst haben. Aber lassen wir die Angst nicht die Kontrolle über unser inneres und spirituelles Leben gewinnen. Während seinem Gebet in Zeiten der Pandemie am 27. März 2020 auf dem Petersplatz in Rom wählte Papst Franziskus den Evangelientext vom Sturm auf dem See und schloss mit den Worten: „Fürchtet euch nicht!“ (Mt 28,5).

Also lassen Sie sich nicht entmutigen! Wir müssen der Epidemie widerstehen! Deshalb müssen wir auch weiterhin denen, die uns begegnen, Zärtlichkeit und Freundschaft entgegenbringen. Sie können für die beten, die sich um Sie kümmern und Sie umgeben, für Ihre Familie und für diejenigen, die Sie in Freundschaft besuchen oder einen anderen Weg finden, um Ihnen ihre Aufmerksamkeit zu schenken, ob durch einen Anruf, einen Brief, eine SMS, eine Nachricht. Das Gebet öffnet unsere Herzen für Gottes Handeln. Es vereint uns in einer unsichtbaren Gemeinschaft.

Der auferstandene Jesus sagte den Frauen, die sein Grab besuchten (Mt 28,10): « Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen; dort werden sie mich sehen ». Auf diese Weise teilt Jesus ihnen mit, dass er seine Jünger in Galiläa, wo er seine Jugend verbracht und seine Mission begonnen hat, aufsuchen wird.

So entdecken auch wir den lebendigen Jesus in unserem Galiläa: den Ardennen, dem Hespengau, Condroz, Ostbelgien, Herver Land, Lüttich, Verviers, Huy und all unseren Städten. Jesus trifft uns im Zentrum unseres täglichen Lebens, im Lichte unserer persönlichen Geschichte, von unserer Jugendzeit bis heute. Die Jünger trafen Jesus also in Galiläa, und er sagte ihnen: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern (…). Und ich bin jeden Tag bei Euch bis ans Ende der Welt » (Mt 28,19-20).

Ja, liebe Seniorinnen und Senioren, Jesus ist jeden Tag bei Ihnen! Jesus teilt sein Leben mit uns, denn für ihn hat jedes Leben seinen Wert. Jeder von Ihnen ist wichtig. Schwäche und Zerbrechlichkeit bergen einen Vorteil: sie fördern Solidarität und Liebe. Sie verfügen über einen enormen Erfahrungsschatz, teilen Sie ihn in Ihrem Umfeld und bezeugen Sie so Ihren Glauben! Die jungen Menschen brauchen Ihre Präsenz. Sie verfügen über eine Lebensweisheit, die uns helfen wird, die Welt von morgen, nach der Coronavirus-Krise, zu gestalten. Deshalb bete ich für jeden von Ihnen! Ich denke an jeden von Ihnen, auch wenn ich Sie nicht persönlich kenne! Empfangen Sie die Osterfreude! Empfangen Sie den Glauben an das Leben, das stärker ist als der Tod!

Helfen Sie uns beim Aufbau einer besseren Welt!

Lüttich, den 8. April 2020.

 Jean-Pierre Delville,
Bischof von Lüttich