Hirtenbrief zum Monat der Schöpfung

von Jean-Pierre Delville, Bischof von Lüttich

Lüttich, den 1. Juli 2019.

Liebe Brüder und Schwestern,

Papst Franziskus empfahl, den 1. September zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung zu erklären und den Monat September als eine „Jahreszeit“ der Schöpfung zu betrachten, die sich bis zum Fest des heiligen Franziskus am 4. Oktober erstreckt (http://seasonofcreation.org/en/home-en/). Deshalb möchte ich die Kirche des Bistum Lüttichs einladen, gemeinsam mit allen christlichen Kirchen, unsere « Berufung als Hüter der Schöpfung Gottes » zu bekräftigen, zu vertiefen und in konkrete Taten umzusetzen. In den folgenden Zeilen gebe ich das Wesentliche der am 10. Juli 2019 veröffentlichten Verlautbarung der belgischen Bischöfe zu diesem Thema wider.

1. Der Aufruf von Laudato si’

Der gegenwärtige Kontext fordert uns mehr denn je heraus, den Aufruf der Enzyklika Laudato si‘, « die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen » (LS 13), ernst zu nehmen. « Die ökologische Kultur sollte uns einen anderen Blick geben, ein Denken, eine Politik, ein Erziehungsprogramm, einen Lebensstil und eine Spiritualität“ (LS 111). Der ökologische Ansatz verwandelt sich immer auch in einen sozialen Ansatz: Es handelt sich nicht um zwei parallele, sondern um miteinander verknüpfte Ansätze (LS 49), denn, wie der Papst sagt, « alles ist miteinander verbunden ».

Die ökologische Frage betrifft unseren christlichen Glauben: Der Papst spricht von « ökologischer Umkehr, die beinhaltet, alles, was uns aus unserer Begegnung mit Jesus Christus erwachsen ist, in unseren Beziehungen zu der Welt, die uns umgibt, zur Blüte zu bringen » (LS 217).

Laudato si’ prangert Haltungen an « die Lösungswege blockieren, und die von der Leugnung des Problems bis zur Gleichgültigkeit, zur bequemen Resignation oder zum blinden Vertrauen auf die technischen Lösungen reichen“ (LS 14). Die Erfahrung der letzten Monate zeigt, dass Angst ein Hindernis sein kann: Ob es nun die Angst vor den Unsicherheiten einer so wichtigen Veränderung ist oder die Angst vor einer Verschlechterung des Lebensstandards unserer wohlhabenden Gesellschaft, den wir für selbstverständlich halten, trotz unseres Einflusses auf die Ökosysteme und das Leben der Menschen auf der südlichen Halbkugel.

2. Perspektiven für die Zukunft

Kinder und Jugendliche fürchten zu Recht diese Bedrohung für ihre Zukunft. Seit einigen Monaten haben sie die Klimabewegung ins Leben gerufen, damit eindringliche wissenschaftliche Empfehlungen ernst genommen und in eine wirksame und sozial gerechte Klimapolitik umgesetzt werden. Organisationen zur Bekämpfung der Armut fordern eine Klimapolitik, die keine neuen Formen von Armut oder Ungleichheit schafft, sondern gefährdete Gruppen in den Übergang zu einer nachhaltigen Klimazukunft einbezieht.

Es wird zu wenig betont, wie positiv und hoffnungsvoll ein Übergang zu einem neuen aber anderen Wohlstand wäre, der das Wohlbefinden aller Völker der Erde fördern würde. Dies wird dann eintreffen, wenn wir die Armut verbannen, die Welt mit allen Menschen teilen, die Wirtschaft umwandeln, die Natur schützen, und wenn wir alle innerhalb der ökologischen Möglichkeiten eines gesunden Planeten leben. Diese vielversprechende Perspektive wird von Wissenschaftlern bestätigt, die uns sagen können, wie dies erreicht werden kann.

Die Berichte der Wissenschaftler bestätigen, dass es nicht naiv ist zu glauben, wir könnten die Zukunft des Planeten retten. Selbst wenn die Zeit läuft, können wir immer noch aus der Spirale des Todes herauskommen, die unsere Welt aufsaugt. Die Zeit für eine Neu-Schöpfung ist unsere Chance, diese anspruchsvolle Perspektive zu unterstützen und eine Zukunft für die Erde und alle ihre Bewohner zu schaffen.

3. Konkrete Aktionen

Papst Franziskus beschließt seine Enzyklika Laudato si’ mit folgenden Worten: « Im Herzen dieser Welt ist der Herr des Lebens, der uns so sehr liebt, weiter gegenwärtig. Er verlässt uns nicht, er lässt uns nicht allein, denn er hat sich endgültig mit unserer Erde verbunden, und seine Liebe führt uns immer dazu, neue Wege zu finden“ (LS 245). Ermutigen wir uns gegenseitig, Fortschritte bei der ökologischen Umkehr zu machen und eine frohmachende Einfachheit zu leben (die « Ethik der Genügsamkeit) ».

Wir empfehlen, dass Christen diese Themen in Gruppen bearbeiten und dabei die zu diesem Thema erstellte Animationsvorlage der belgischen Bischöfe (https://www.evechedeliege.be/wp-content/uploads/2019/07/190710-une-saison-pour-la-creation-animation.pdf), und insbesondere den von der Lütticher Vereinigung Chrétiens en transition in Zusammenarbeit mit Miteinander Teilen hierzu zusammengestellten Gottesdienst (VEILLEE LAUDATO SI – Mois de la CREATION 2019 – Veillée Mois de la Création Fiche animateur). Wie Jesus uns auffordert, müssen wir die Zeichen unserer Zeit erkennen (Luk 12,54-57): « Wenn ihr im Westen eine Wolke aufsteigen seht, sagt ihr sofort: Es gibt Regen. Und so geschieht es. Und wenn der Südwind weht, sagt ihr: Es wird heiß. Und es geschieht. Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels wisst ihr zu deuten. Warum könnt ihr dann diese Zeit der Entscheidung nicht deuten? Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil? »

P.S.: Die PDF-Datei ‘Veillée Laudato Si – Mois de la CREATION 2019’ mit den Links zu den Gesängen kann Ihnen auch bei Bedarf als PPt-Datei (31 Mo) über Wetransfer zugeschickt werden. Wenden Sie sich bitte an den Pressedienst des Bistums, oder an Christophe Cornet von Miteinander Teilen, oder an Christine Servais von Chrétiens en transition.