Eine Adventszeit rund um das „Wir“

Liebe Brüder und Schwestern,

Allerheiligen, Zeit der Hoffnung

In diesem Monat November, in den Tagen um Allerheiligen und Allerseelen, an denen wir unserer Toten gedenken und uns unserer Sterblichkeit erinnern, lädt uns der christliche Glaube zur Hoffnung ein. Er lädt uns ein, an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben zu glauben. Deshalb beten wir und feiern Messen für die Toten, wir erweisen den Toten unseren Respekt, wir begleiten die Sterbenden und helfen den Familien in ihrer Trauer. In einer Gesellschaft, in der alles funktionieren muss, scheint dies vielleicht wenig nützlich. Und dennoch wird dieser Dienst der Kirche von den trauernden Familien, dem Krankenhauspersonal und dem Personal der Alten- und Pflegeheime sehr geschätzt. In diesem Sinne haben die belgischen Bischöfe im Juni ihre Verlautbarung Ich nehme dich bei der Hand veröffentlicht. Sie betonen, wie wichtig es ist, die Sterbenden zu begleiten und dabei zu vermeiden, bei Sterbehilfe anwesend zu sein oder dieser durch ein Gebet einen sakralen Charakter zu verleihen.

Sternsingeraktion 2019 – photo L. Klinges

Die Mission der Randgebiete

Kranke zu begleiten entspricht einer Mission an der Peripherie unserer Welt. Diese Mission empfahl ich in meinem Oktober-Hirtenbrief zum „außerordentlichen Monat der Weltmission“ mit dem Titel Geh in das Land, das ich dir zeigen werde! Dies ist ein Wort Gottes, das an Abraham gerichtet ist (Gen 12,1). Es verpflichtet uns, die Welt von heute mit neuen Augen zu entdecken und in ihr mit einer erneuerten Sprache Zeugnis abzulegen. Es geht auch darum, Dinge aufzugeben, die nutzlos oder zweitrangig geworden sind, und herauszufinden, was nützlich und dringend ist. Wir müssen uns daher in einen Missionszustand versetzen, insbesondere durch Freundschaft und Gebet. Hier sind Gebetsgruppen um das Wort Gottes ein wertvolles Hilfsmittel, um im Glauben voranzuschreiten und neue Personen einzuladen.

Weltsonntag der Armen: Die Jungfrau der Armen im Vatikan

In diesem Jahr gibt Papst Franziskus uns die Ehre, eine Statue der Jungfrau der Armen, Unserer Lieben Frau von Banneux, während der Messe anlässlich des Welttags der Armen am Sonntag dem 17. November auf den Altar des Petersdoms zu stellen. Und er lädt mich ein, mit ihm zu konzelebrieren. In diesem Sinne lade ich jede Pfarre ein, den Armen an diesem Tag in der Liturgie und in konkreten Willkommensgesten besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Eine Adventszeit um « Wir » zu sagen

Der Advent gibt uns die Möglichkeit, Zeugen Christi zu sein. Wir bereiten Weihnachten und die Weihnachtskrippe für das Jesuskind vor. Wir sind bewegt und fasziniert von der Geburt eines Gottes in Kindesgestalt. Auf diese Weise werden wir sensibilisiert für die Situation der Armen und Mittellosen in unserer Gesellschaft. Dies regt uns an, Organisationen zu unterstützen, die gegen Armut kämpfen. Die Aktion „Miteinander Teilen“ koordiniert und trägt zur Finanzierung dieser Projekte im Kampf gegen die Ausgrenzung und für die Wiedereingliederung der Mittellosen in unsere Gesellschaft bei. Sie lädt uns in diesem Jahr ein, “Wir zu sagen”, das heißt, sensibel für die Gemeinschaftsdimension des “Wir” zu sein, und nicht nur für unsere individuellen Bedürfnisse. Was den Sonntag des Wortes Gottes betrifft, so hat der Papst ihn Anfang Oktober auf den 3. Sonntag im Jahreskreis (26. Januar 2020) gelegt. Er wird also nicht am ersten Adventssonntag gefeiert.

Weihnachten, Herz des menschlichen und christlichen Mysteriums

Am Ende des Jahres feiern wir Weihnachten, die Geburt Jesu. Dieses Fest lässt uns ins Geheimnis des Lebens eintauchen. Viele Menschen auf der ganzen Welt und in unserer Gesellschaft sind offen für diese Dimension. Es ist eine Gelegenheit, gemeinsam mit ihnen nachzudenken und unseren Glauben zum Ausdruck zu bringen. Es ist auch das Fest der Gnade, des ersten Schrittes Gottes, der arm und diskret in unsere Welt und unser Leben eintritt. Er wird in vielen Krippen dargestellt, die vielerorts gebaut und ausgestellt werden. Vor allem aber heißen wir Jesus in der Krippe unseres Lebens und in der Freundschaft mit den Armen willkommen! Lassen Sie uns mit Freude und in der Offenheit für die Anderen dieses Fest, das alle im Herzen anspricht, feiern!

† Jean-Pierre Delville, Ihr Bischof