Advent, Zeit für Menschenrechte, Frieden und Gerechtigkeit

Liebe Brüder und Schwestern,

In diesem Monat November, in dem wir unserer Toten gedenken und uns an unsere Sterblichkeit erinnern, begehen wir auch den Jahrestag des Waffenstillstands von 1918. Aus diesem Anlass werde ich am Sonntag, dem 11. November, um 10 Uhr eine Votivmesse für den Frieden in der Kathedrale mit meinem Kollegen und Freund Heinrich Mussinghoff, emeritierter Bischof von Aachen und Spezialist für Kirchen- und Völkerrecht feiern. Er engagiert sich seit langem für den Weltfrieden und ist sich der Notwendigkeit bewusst, dieses Bewusstsein um uns herum zu verbreiten. Ich lade Sie ein, dieses Gebet mit uns zu teilen, indem Sie an der Feier teilnehmen oder für dieses Thema am 11. November werben. Um 11 Uhr werden überall die Glocken läuten, um des 100. Jahrestages des Waffenstillstands zu gedenken und für den Frieden zu beten.

Der Advent wird am 2. Dezember mit dem Wort-Gottes-Sonntag eröffnet. Das liturgische Jahr C wird uns erlauben, dem Lukasevangelium ein Jahr lang zu folgen. Die interdiözesane Liturgiekommission hat für diesen Sonntag einige Vorschläge zusammengestellt.

Der Beginn dieses Jahres steht im Zeichen der Menschenrechte. Am 10. Dezember dieses Jahres feiern wir daher den 70. Jahrestag der 1948 unterzeichneten Menschenrechtserklärung. Das ermutigt uns, Organisationen zu unterstützen, die gegen Armut kämpfen. Sie finden in der Gazette de l’Avent 2018, herausgegeben von Vivre Ensemble (Miteinander Teilen), die Beschreibung der 89 Aktionen, die zu einer solidarischen Adventszeit in der Pfarre beitragen können. Unter dem Titel « Menschenrechte, Rechte der Armen und christlicher Glaube » schrieb ich das Vorwort dieser Broschüre und habe darauf hingewiesen, dass die katholische Kirche ihre eigenen ethischen Werte in vielen Artikeln, die zu den Menschenrechten veröffentlicht wurden, wiedererkannt hat. So wird in Artikel 2 die Gleichheit aller Menschen, ihrer Rechte und Freiheiten festgelegt, « ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand. » Die Rechte werden jedoch ergänzt durch Pflichten, wie in Artikel 29 ausgeführt: « Der Einzelne hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist. »

In Evangelii Gaudium stellt Papst Franziskus klar: « Manchmal geht es darum, den Schrei ganzer Völker, der ärmsten Völker der Erde zu hören, denn „der Friede gründet sich nicht nur auf die Achtung der Menschenrechte, sondern auch auf die Achtung der Rechte der Völker“[EG154]. Bedauerlicherweise können sogar die Menschenrechte als Rechtfertigung für eine erbitterte Verteidigung der Rechte des Einzelnen oder der Rechte der reichsten Völker genutzt werden. Bei allem Respekt vor der Unabhängigkeit und der Kultur jeder einzelnen Nation muss doch immer daran erinnert werden, dass der Planet der ganzen Menschheit gehört und für die ganze Menschheit da ist und dass allein die Tatsache, an einem Ort mit weniger Ressourcen oder einer niedrigeren Entwicklungsstufe geboren zu sein, nicht rechtfertigt, dass einige Menschen weniger würdevoll leben »(§ 190). Aus diesem Grund hat Papst Franziskus einen Welttag der Armen ins Leben gerufen, der dieses Jahr am Sonntag, dem 18. November, stattfinden wird. Ich lade Sie ein, dies in Liturgie und Willkommenskultur zu berücksichtigen.

Am Ende des Jahres feiern wir Weihnachten, die Geburt Jesu. Dieses Fest lässt uns ins Geheimnis des Lebens eintauchen. Viele Menschen auf der ganzen Welt und in unserer Gesellschaft sind für diese Dimension offen. Es ist auch das Fest der Gnade, des ersten Schrittes Gottes, der arm und diskret in unsere Welt und unser Leben kommt. Lassen Sie uns mit Freude und in der Offenheit für die Anderen dieses Fest, das alle im Herzen anspricht, feiern.

+ Jean-Pierre DELVILLE, Ihr Bischof