Adieu, Aloys!

 

Liebe Brüder und Schwestern,

Der Tod unseres emeritierten Bischofs Mgr Aloys Jousten hat uns tief getroffen, war dieser plötzliche Tod doch so unerwartet. Aloys hatte im Rahmen des Internationalen Eucharistischen Kongresses als Vorsitzender der belgischen Delegation eine begeisternde Woche in Budapest verbracht. Er hatte alle mit seinem Enthusiasmus und seiner körperlichen Ausdauer überrascht. Seine Güte beeindruckte die von ihm geleitete belgische Gruppe. Es war sein Schwanengesang. Nach seiner Rückkehr nahm er noch am 16. September an der Einweihungsfeier der Kathedrale nach den Renovierungsarbeiten teil: Er nahm mit Freude an meiner Seite an der akademischen Sitzung zu Ehren der Arbeiter der Unternehmen und der öffentlichen Behörden teil und bewunderte das der Eröffnung des neuen Portals vorangegangene Schauspiel. Er war an diesem Donnerstag in großartiger Form. Er verstarb am folgenden Montag, während des jährlichen Ausflugs seiner Abiturientenklasse nach Köln, wo er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Er, der so bereitwillig und freudig unterwegs war, verstarb auf dem Weg. Es war ein Schock für uns alle. Dies wirft ein neues Licht auf sein Leben, das ein fortwährendes Apostolat war, ein Leben, das er den Anderen mit Freude schenkte.

Als emeritierter Bischof hat er sich weiterhin engagiert. Er empfing mich 2013 herzlich als sein Nachfolger und weihte mich in die wichtigsten aktuellen Themen der Diözese ein. Er bot mir seine Dienste an, wo er nützlich sein konnte, ohne sich aufzudrängen. So übernahm er für die belgische Bischofskonferenz die Aufgabe des Referendarbischofs für Caritas, die Kommission Gerechtigkeit und Frieden (Justice et Paix), Miteinander Teilen und Pax Christi. Vier Jahre später übernahm ich diese Aufgaben von ihm. Er hat zahlreiche Firmungen im Bistum durchgeführt und in meinem Namen an verschiedenen offiziellen Zeremonien teilgenommen. Er kümmerte sich um die Begleitung der geweihten Personen und leitete die Hilfsorganisation für die Missionen (SAM). Er nutzte seinen Emeritat, um eine Reise nach Indien zu unternehmen. Da er in einer Wohnung der Benediktinerinnenabtei von Lüttich residierte, war er gerade in Zeiten von COVID an vorderster Front, um dort Gottesdienste abzuhalten. Gelegentlich hatte er auch in anderen Kirchen Messen gelesen, wie der Kathedrale, der Abtei von Val-Dieu und in Pfarreien, die ihn um einen Gottesdienst baten. Er leitete verschiedene Einkehrtage, unter anderem mit Seminaristen. Im vergangenen Jahr leitete er die Novene von Saint-Gilles in Lüttich. Er besuchte unermüdlich kranke und hospitalisierte Priester oder Diakone. Er gehörte zum Krankenbesuchsteam für kranke und betagte Priester. Manchmal war er der Erste, der mir von einem kranken Priester erzählte. Er hielt sich über die Entwicklungen in der Universalkirche auf dem Laufenden und schickte mir regelmäßig per Mail Artikel zu aktuellen Zeitthemen.

Seit seinem Ableben habe ich unzählige Zeugnisse von Menschen erhalten, die ihn gekannt oder irgendwann in ihrem Leben getroffen haben. So kamen viele weniger bekannte Facetten seines Lebens ans Licht, für die ich dem Herrn danke. Alle Erlebnisse des Episkopats von Bischof Jousten sind in den letzten Tagen wieder zum Vorschein gekommen. Ich möchte zunächst den systematischen Aufbau der Pfarrverbände mit Generalvikar Alphonse Borras hervorheben. Es war eine groß angelegte Initiative, die alle Pfarreien berührte und zu einer kollegialeren Führung der christlichen Gemeinden führte. Dies erforderte viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit vor Ort. Dazu gehörte auch eine Begleitung, die vom Diözesandienst Baustelle Pfarren sichergestellt wurde.

Dann gruppierte er das soziale Engagement der Diözese im Rahmen des Vikariats Evangelium und Leben unter der Leitung von Bischofsvikar Baudouin Charpentier neu, weil er wollte, dass das Engagement der Christen im Dialog zwischen Evangelium und Leben geschieht. Aloys Jousten war lange Zeit in der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden tätig, die er in Belgien mitbegründete. Diesem Engagement blieb er, genährt durch seine Doktorarbeit, die sich der sozialen Gerechtigkeit in der Unternehmensführung widmete, treu. So setzte er sich weiterhin, hier und anderswo, für Gerechtigkeit ein. Er freute sich, Menschen zu treffen und kam leicht mit ihnen ins Gespräch. Er war den Armen und Leidenden nahe. Er war den Treffen der Jüdischen Gemeinde Lüttich treu, die ihm ihren Dank aussprach. Ebenso zollen ihm die Moslems von Lüttich einen lebhaften Tribut. Er traf gerne junge Leute und schickte ihnen verschiedene Botschaften.

Dies war ein geschäftiges Leben im Dienst des Herrn! Auch wenn sein Ende abrupt kam, danken wir dafür, und wir danken dem Herrn, dass er uns einen Hirten nach seinem Herzen geschenkt hat! Am 2. November feiern wir nicht mehr seinen Geburtstag, sondern sein Andenken. Wie mir die Jüdische Gemeinde schrieb: “Möge seine Seele in Frieden ruhen und beim Herrn, wo er jetzt sitzt, möge er uns beschützen und seine schützenden Flügel über uns ausbreiten.” Tausend Dank, Aloys!

+ Jean-Pierre Delville, Bischof von Lüttich