Widerstand und Wiedergeburt

Liebe Brüder und Schwestern,

Das neue Pastoraljahr startet unter besonderen Umständen im September, da es von der Corona-Krise geprägt ist. Die Dynamik des Neustarts wird durch erschwerte Bedingungen in Punkto Zusammenkunft und Versammlungsrecht ausgebremst. Die Bedeutung der Dinge ist zutiefst in Frage gestellt. So schreibt die Päpstliche Akademie für das Leben[1]: „Die Pandemie hat uns alle gleichermaßen verwundbar gemacht.“ Daher ist die Botschaft des Glaubens besonders aktuell: „Wir sind zum mutigen Widerstand berufen“ und sollen „einen Weg zur Wiedergeburt des Lebens“ begehen. Widerstand bedeutet die Fähigkeit, sich im Laufe der Zeit dem Bösen zu stellen, die Hoffnung in uns zu bewahren, Gesten der Freundschaft zu üben und Gott um Erleuchtung und Rettung zu bitten. Die Wiedergeburt des Lebens bedeutet, dass aus der gegenwärtigen Prüfung neues Leben entstehen muss, mit größerer weltweiter Solidarität, mehr Spiritualität und Gebet. Das Gebet hat nichts Magisches an sich, um Gott zu spektakulärem oder sensationellem Handeln zu zwingen. Jesus selbst sagte zur dieser Tendenz, Gott als Zauberer zu sehen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen“ (Mt 4,7). Das Gebet ist in Wirklichkeit ein Ruf an Gott, unseren Verstand und unser Herz zu inspirieren, und durch Seine Liebe zu handeln. Das Gebet ist besonders nützlich, wenn wir klein und arm sind, denn dann spüren wir noch besser die Notwendigkeit, eine Gnade von Gott zu erhalten.

Die Geschichte zeigt uns auf, dass die Kleinen und die Armen von Gott gerettet wurden, sei es das kleine Volk Israel, das von seinen mächtigen Nachbarn bedroht wurde, oder seien es die junge Christengemeinde, die im Römischen Reich verfolgt wurden. Wir entdecken nun weltweit, dass wir alle der Pandemie gegenüber kleine Völker sind. Belgier, Amerikaner, Chinesen, Lateinamerikaner, wir alle entdecken unsere Zerbrechlichkeit und brauchen neue Kraft. Das Gebet ist jedoch nicht nur Bitte. Es ist auch Dank. Inmitten der Prüfungen feiern wir die Eucharistie, das heißt Danksagung: Trotz aller Leiden und Rückschläge sind wir eingeladen, Danke zu sagen. Vielleicht ist unser Dankeschön schüchtern, aber der Dank ist die treibende Kraft der Zukunft, denn er bringt unsere Anerkennung für alles Schöne in der Welt zum Ausdruck und bereitet die Zukunft vor.

Die Covid-19-Epidemie hat viel mit dem Raubbau an der Erde und der Plünderung ihrer inhärenten Werte zu tun. Dies ist ein Symptom für das Unwohlsein unserer Erde und unsere Unfähigkeit, uns damit auseinanderzusetzen[2]“. Eine Reaktion auf die Pandemie ist die Sorge um die Umwelt. So wird der Monat September in unserem Bistum von dieser Suche geprägt sein. Auf Empfehlung von Papst Franziskus ist der 1. September zum Weltgebetstag zum Schutz der Schöpfung und der Monat September als eine Zeit für die Schöpfung, die sich bis zum Fest des heiligen Franziskus am 4. Oktober erstreckt, zu betrachten. Ich lade die Pfarrverbände und alle christlichen Gruppen ein, gemeinsam an diesen Themen zu arbeiten, indem sie die zu diesem Thema vorbereiteten Unterlagen verwenden und indem sie an den zu diesem Zweck organisierten Versammlungen teilnehmen.

Das Fest des heiligen Lambertus am 17. September mit der Messe um 18.00 Uhr in der Kathedrale von Lüttich ist die Gelegenheit, gemeinsam das neue Pastoraljahr zu beginnen und den Mitgliedern des Bischofsrates, deren Sendungsauftrag endet, unseren Dank auszudrücken: Generalvikar Alphonse Borras, dem Bischofsvikar für das Kirchenrecht, Raphaël Collinet, und der bischöflichen Delegierten für das deutschsprachige Gebiet, Frau Fina Keifens. Diese Feier wird auch dem Pflegepersonal, den Seelsorgeteams der Krankenhäuser und Pflegeheime, sowie allen Kranken und Leidenden durch die feierliche Segnung des Krankenöls gewidmet sein. Schließlich wird während dieser Eucharistie die Sankt-Lambertus-Stiftung (FSL) als gemeinnützige Stiftung, sowie deren Eintragung in die Projekte der König-Baudouin-Stiftung offiziell anerkannt. Die Sankt-Lambertus-Stiftung (FSL) möchte die Übermittlung des christlichen Glaubens, insbesondere an junge Menschen, durch die Weitergabe eines außergewöhnlichen materiellen und immateriellen christlichen Erbes fördern und benötigt dazu finanzielle Mittel (Sankt-Lambertus-Stiftung, BE32 3631 8039 6802).

Im Vertrauen in die Zukunft und mit der Unterstützung der Gnade Gottes wünsche ich Ihnen allen, dass sie dieses neue Pastoraljahr im Glauben und mit Intensität beginnen können.

Jean-Pierre DELVILLE, Ihr Bischof

[1] Päpstliche Akademie für das Leben « Humana Communitas – à l’ère de la pandémie. Méditations intempestives sur la renaissance de la vie. Introduction, Rome, 22 juillet 2020 (Übersetzung in EN – ES – FR – IT)

[2] Ibidem, 1.2