Von der Coronakrise zu den Zukunftsperspektiven des Bistums

 

Liebe Brüder und Schwestern,

Zu Beginn der Urlaubszeit haben wir aufgrund der Coronakrise ein Gefühl von Unsicherheit. Einerseits sind wir froh, dass wir die Gottesdienste und Versammlungen in einer angemessenen Lockerungsphase wieder aufnehmen konnten. Andererseits bleiben alle Großveranstaltungen mit vielen Personen bis auf weiteres annulliert. Religiöse Feiern sind daher begrenzt. Unsere Diözesanpilgerreise nach Lourdes musste auf nächstes Jahr verschoben werden. Wir müssen die Zukunft überdenken!

Unsere Erfahrungen der letzten Monate waren von Einschränkungen, Leid und Stress geprägt, aber auch von Entdeckungen und Solidarität. Für die Priester, Diakone und Laien im Dienst der Kirche bedeutete dies auch die Feier zahlreicher Beerdigungen, oft unter prekären, manchmal auch dramatischen Bedingungen, sehr oft im Freien und mit sehr kleinen Gruppen: Ich danke ihnen für ihr pastorales Engagement. Für die Kranken war diese Zeit sehr schmerzlich, besonders für Menschen in Pflegeheimen, die großer Einsamkeit ausgesetzt waren. Für die Pflegekräfte war diese Zeit anstrengend und sehr hart. Viele haben sich dieser Situation mit großem Mut gestellt: Ich danke ihnen von ganzem Herzen. Ein besonderer Dank gilt auch den Mitgliedern der Krankenhausseelsorge, die ihr Engagement mit Intensität fortgesetzt haben. Gleiches gilt für die Gefängnisseelsorger.

In unseren Pfarren und Pfarrverbänden haben wir in vielerlei Hinsicht Kontakt zu den Gläubigen gehalten: Wir haben mehr telefoniert, wir haben mehr E-Mails verschickt, wir haben Treffen per Videokonferenz abgehalten, viele Dokumente für Hausgebete und Hausgottesdienste im Kreise der Familie wurden erstellt und die Novene zwischen Himmelfahrt und Pfingsten hervorgehoben, Sonntagspredigten gehalten, Gottesdienste über RCF und andere Radios, YouTube und Facebook ausgestrahlt… Solidarität hat neue Wege gefunden: Mahlzeiten wurden für die am stärksten benachteiligten Menschen zubereitet, neue Ehrenamtliche kamen, um zu helfen. Die Menschen haben sich durch ihr Engagement offenbart.

Unsere Gesellschaft hat ihre Schwächen entdeckt, jeder war verschiedensten Belastungen ausgesetzt. Viele von Ihnen haben die Gelegenheit genutzt, Ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, Zeit zum Gebet zu finden, zu lesen, im Garten zu arbeiten oder zu basteln, sich auszuruhen. Aber dies fand nicht in einer Urlaubsatmosphäre statt! Viele Menschen sind ohne Arbeit, arbeitslos oder in finanzieller Not. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen dieser Krise werden schmerzhaft sein. Wir sind aufgerufen, die Entwicklung unserer Erde zu überprüfen, solidarischer miteinander umzugehen und sensibler für die Ökologie unserer Umwelt zu sein.

All diese Situationen hinderten unsere Diözese nicht daran, durch eine Erneuerung unserer Diözesankurie, die die Dienste unseres Bistums neu gruppiert, auf den neuesten Stand gebracht zu werden. Diese Änderungen konnten am Vorabend von Pfingsten und im Licht des Heiligen Geistes angekündigt werden.

Die Auswertungen unseres Sendungsauftrags, die wir letztes Jahr in unserem Bischofsrat vornahmen, haben uns Wege aufgezeigt, um unseren Zielsetzungen, die auf die Verkündigung des Evangeliums und den Dienst an den christlichen Gemeinschaften ausgerichtet sind, besser zu entsprechen. Ich bin allen Mitgliedern des Bischofsrates dankbar für ihr Engagement, insbesondere denen, die am Ende ihres Mandats oder ihres Sendungsauftrages stehen. Ich danke Frau Fina Keifens für ihren unermüdlichen Einsatz für die Seelsorge in Ostbelgien, dem Priester Raphaël Collinet für seine beeindruckende Arbeit im Dienste der kanonischen, aber auch der juristischen und materiellen Angelegenheiten der Diözese und dem Priester Alphonse Borras, Generalvikar, für den immensen Beitrag, den er in den 19 Jahren, in denen er als Generalvikar, insbesondere im Bereich „Baustelle Pfarren“, mit Talent und Kompetenz im Dienst des Bistums tätig war.

In unserem pastoralen Wirken haben sich Leitlinien herauskristallisiert. Hervorzuheben ist die Tatsache, dass das Engagement vieler Laien in verantwortungsvollen Positionen unser Funktionieren als Kirche komplexer gemacht und auf bemerkenswerte Weise mit neuen Fähigkeiten und neuen Sensibilitäten bereichert hat. Ebenso belebt die Aufnahme von Priestern von anderswo unsere Kirche, erfordert jedoch besondere Aufmerksamkeit für jeden von ihnen. Die Rolle des Pfarrers im Pfarrverband selbst wird gleichsam durch diese Vielfalt komplexer.

Von Links nach Rechts: Alphonse Borras, Bischof Jean-Pierre Delville und Eric de Beukelaer

Durch die Ernennung von Kanonikus Eric de Beukelaer zum künftigen Generalvikar habe ich seinen Wunsch unterstützt, die Struktur unserer Diözesankurie gemäß den zuvor geäußerten Erwartungen zu überprüfen. Die wichtigsten Neuerungen sind die Schaffung eines Vikariats zur Begleitung von Pastoralakteuren, der Zusammenschluss von „Baustelle Pfarren“ und dem Vikariat für die materiellen Belange im Generalvikariat, sowie die neue Konfiguration des Vikariats Glaubenswege und christliche Aus- und Weiterbildung und des Vikariats Evangelium & Leben. Ich begrüße die Neuankömmlinge an der Spitze der Vikariate, Frau Dominique Olivier und Herrn Jean-Philippe de Limbourg und die neuen Vikariatsassistenten: Frau Anne Charpentier, Herr Vincent Philippart de Foy, die Priester Vital Nlandu, Yves-Léopold Keuméni, Xavier Lambrecht und Guy Balaes.

Ich habe kürzlich in meinem Hirtenbrief Geh in das Land, das ich dir zeigen werde! die Bedeutung unseres Sendungsauftrages in der heutigen Gesellschaft, insbesondere gegenüber jungen Menschen, hervorgehoben. Wie der Apostel Paulus sagt: „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn“ (1. Kor 12, 4-5).

Ich erbitte das Kommen des Heiligen Geistes über unser Bistum und über alle, die im Dienst der Kirche stehen, in der neuen Phase, die wir leben!

† Jean-Pierre Delville, Bischof von Lüttich