Krieg und Frieden : ein Aufruf zur Umkehr

 

Liebe Brüder und Schwestern,

Ende Februar haben wir den Ausbruch des Krieges in der Ukraine miterlebt und fürchten, er könne sich auf der ganzen Welt ausbreiten. Wir sehen die Schäden und Grausamkeiten des Krieges. Der Tod ist alltäglich geworden und das Leben ist bedroht, insbesondere das der angegriffenen Frauen und Kinder, aber auch das der russischen Soldaten, die gegen ihren Willen im Einsatz sind. Zu viele Menschen werden getötet, verletzt, verschleppt, zu viele Häuser werden zerstört, zu viel Leid hat sich ausgebreitet. Wir sehen, wie die Logik des Todes über die Logik des Lebens siegt. Die schlechten Strukturen der Welt haben den Krieg in der Ukraine herbeigeführt. Der Krieg weckt Gefühle der Gewalt im Menschen und bringt das Gleichgewicht der Welt ins Wanken: “Völker tobten, Reiche wankten”, heißt es im Psalm (Ps 46, 7).

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Bitten wir Gott, uns von diesem Übel zu befreien: “Der Herr vernichtet den Krieg bis ans Ende der Welt; er zerbricht die Bögen, zerschlägt die Lanzen, zündet die Streitwagen an. Er sagt uns: ‚Lasst ab und erkennt, dass ich Gott bin, erhaben über die Völker, erhaben auf Erden!‘“ (Ps 46 10-11). So entdecken wir, wo das Böse sich befindet: im Krieg, in den Herzen der Kriegsparteien, sogar in den Herzen jedes einzelnen Menschen, aufgrund seiner Komplizenschaft mit dem Bösen, ob freiwillig oder unfreiwillig, durch Handeln oder Unterlassen. Deshalb müssen wir auch uns selbst korrigieren und nicht nur andere beschuldigen.

Lasst uns den Betroffenen helfen, Flüchtlinge aufnehmen und für den Frieden arbeiten! Danke an all jene, die sich in diesem Sinne engagiert haben. Danke an all jene, die Netzwerke der Solidarität aufgebaut haben. Danke an all jene, die ihr Haus für die Vertriebenen geöffnet haben. Dank ihnen “erfreuen die Arme des Stromes die Stadt Gottes” (Ps 46,5).

Durch all diese Realitäten werden wir zur Umkehr angehalten. Bekehrung bedeutet, sich von sich selbst abzuwenden, um sich für den anderen zu öffnen; auf ein Wort der Liebe zu antworten; das eigene Leben zu erneuern und es fruchtbarer zu machen. Das Wort der Liebe ertönt besonders um die Osterzeit und bekehrt die Herzen der Jünger. “Simon Petrus, liebst du mich?”, fragt Jesus Petrus, der ihn verraten hatte (Joh 21,16-19). Dieser Satz berührt das Herz des Petrus, und er antwortet: “Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe”. Petrus bekehrt sich. Jesus gibt ihm daraufhin einen Auftrag, der Petrus ein neues Leben schenkt: “Weide meine Schafe!” Petrus wird zum Hirten der christlichen Gemeinschaft.

Der Monat Mai ist auch der Monat Mariens. Sie erlebte die Hoffnung, musste jedoch auch Leid erfahren. Sie begleitete Jesus bis zum Kreuz. Dort erhielt sie eine neue Mutterschaft, als Jesus ihr den geliebten Jünger vorstellte und zu ihr sprach: „Frau, siehe, dein Sohn“. Dann sagte er zum Jünger: „Siehe, deine Mutter“ (Joh 19,26-27). Seitdem ist Maria für jeden von uns eine Mutter und sie macht uns zu Brüdern und Schwestern. Auch hier verleiht das Wort Christi dem Menschen eine neue Fruchtbarkeit. Möge sein Geist die Welt mit seinem Frieden überfluten!

†  Jean-Pierre Delville, Ihr Bischof