Das letzte Abendmahl oder das lebendige Brot

Liebe Brüder und Schwester,

Die Osterzeit, die wir zurzeit feiern, lenkt unseren Blick auf den auferstandenen und lebendigen Christus. So lautet die Schlussfolgerung meines Hirtenbriefs zur Fastenzeit „Das letzte Abendmahl im Licht von Leonardo da Vinci“. Die Osterzeit erlaubt es uns, den Jüngern auf ihrem Weg der Wiederentdeckung Christi und in ihrem Glauben an ihn zu folgen. Sie hatten ihn teilweise aufgegeben, verleugnet oder verraten, wie es das Gemälde von Leonardo verdeutlicht. Später, nach der Auferstehung, gehen sie den Schritt des Glaubens, den Schritt des totalen Vertrauens in Jesus.

Detail des letzten Abendmahls von Leonardo da Vinci

In der heutigen Welt spüren wir auf schmerzhafte Weise, besonders in unserer Kirche, die Folgen von Verrat und Verlust. Aber diese Prüfung muss uns alle zu einer Reinigung unserer Einstellungen und zu einer größeren Treue zu Jesus führen. Das ist es, wozu uns die Osterzeit einlädt.

Die Geste Jesu im Letzten Abendmahl von Leonardo, als er auf das Brot zeigt, verweist uns auf seine zuvor gesprochenen Worte: « So ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist » (Joh. 6, 50-51). In seiner Isolation inmitten der verwirrten Jünger ist Jesus für sie die wahre Nahrung, die Leben gibt, das Brot, das von Gott kommt und die Seelen nährt.

Fronleichnamsprozession 2018

Ich lade Sie somit ein, dieses österliche Mysterium der Gemeinschaft mit Christus intensiv zu leben, so wie es die heilige Juliana von Lüttich tat, insbesondere im Rahmen des von ihr geschaffenen Fronleichnamsfestes. Insbesondere lade ich Sie am 20. Juni um 19.00 Uhr zu einer Messfeier in der Sankt-Martin-Basilika ein, der Mgre Marc Stenger, Bischof von Troyes, vorstehen wird, der für sein Engagement für die Weltkirche und den Weltfrieden bekannt ist. Er ist Bischof des Bistums, aus dem Papst Urban IV. hervorging, der 1264 das Fronleichnamsfest auf die Universalkirche erweiterte. Nach der Messe folgt die Prozession als Zeichen einer Kirche in Bewegung, denn Bewegung bedeutet Leben. Weitere Veranstaltungen und Initiativen zu diesem Anlass sind im gesamten Bistum geplant und werden demnächst bekannt gegeben.

Gemeinsam mit Bischof Stenger und anderen Mitbrüdern der Euregio werde ich im Hinblick auf die Wahlen vom 26. Mai einen Hirtenbrief der Bischöfe der Grenzbistümer aus Frankreich, Deutschland, Belgien und Luxemburg unterzeichnen. Sein Ziel ist es, alle Menschen dazu anzuregen, den Aufbau Europas ernst zu nehmen und diesen mit Hauptaugenmerk auf das Allgemeinwohl und die Gerechtigkeit gegenüber allen Bürgern, einschließlich der Neuankömmlinge durch Einwanderung, zu gestalten. Auf diese Weise wird Christus, das vom Himmel gekommene Brot, dazu beitragen, die Menschen der ganzen Welt aufzurichten und zu ernähren.

Ich lade Sie ein, diese Osterzeit intensiv zu leben und auch Maria zu ehren. Sie nimmt aktiv an der Urkirche teil und erhält die Gabe des Heiligen Geistes. Sie wird besonders im Mai und am Pfingstmontag, am Fest Mariä, Mutter der Kirche, verehrt. Beten wir füreinander in dieser vom Heiligen Geist geprägten Osterzeit, während der Firmungen und dem Fest des Leibes und Blutes Christi! Bilden wir ein Netzwerk der Unterstützung und des Gebetes, das uns schützt und durch das der auferstandene Christus uns das Leben in Fülle schenkt!

Ihnen allen eine frohe Osterzeit!

+ Jean-Pierre Delville, Ihr Bischof