Was bedeutet „karges Mahl“?

Liebe Brüder und Schwestern,

Der Beginn des Monats März ist auch der Beginn unserer Fastenzeit. Die Fastensonntage im liturgischen Jahr A (2020) folgen dem Matthäusevangelium und berichten von der Versuchung Jesu, seiner Verklärung und seiner Leidensgeschichte. Sie erzählen aber auch die großen Geschichten des Johannesevangeliums über die Begegnungen von Jesus, die eine Auferstehung bewirken: mit der Samariterin, dem Blindgeborenen und mit Lazarus.

In unserer Kirche beziehen sich diese Texte insbesondere auf die Vorbereitungszeit auf die Taufe für die Katechumenen. Wie die Samariterin sind die Taufkandidaten eingeladen, sich zu bekehren. Wie der Blinde sind sie gerufen, sich erleuchten zu lassen. Wie Lazarus sollen sie eine Auferstehung erleben. Gleichzeitig sind wir dazu aufgerufen, eine Bekehrung unseres Herzens und eine Auferstehung in unserem Leben zu erleben. Dazu müssen wir uns durch Gebet, Fasten und Teilen vorbereiten.

Ein Jugendlicher fragte mich kürzlich: „Während der Fastenzeit müssen wir ein „karges Mahl“ halten; was bedeutet das: ‘karges Essen’? Ich würde mich gerne daran halten!“ Ich war erstaunt über diese Frage und versuchte, sie so gut wie möglich zu beantworten. Ich empfahl ihm, freitags, in Anlehnung an die Leiden Christi, abstinent zu sein. Ich dachte bei mir, dass der Wunsch, die Fastenzeit zu durchleben, damit beginnt, den Körper zu reinigen. Es ist wie eine Pilgerreise: erst schmerzen die Füße und die wunden Beine, dann kommen Kontemplation und innere Freude. Das Gebet ist eine weitere Möglichkeit, unseren armen Körper für den Reichtum der Gnade Gottes zu öffnen. Teilen ist ein konkreter Weg, um in unserem Leben Solidarität und Liebe für den Nächsten zu schaffen.

In diesem Jahr widmet sich die gemeinsame Fastenaktion Haiti. Die Situation auf dieser Insel ist besonders leidvoll und schwierig. Nach dem Erdbeben von 2010 wurde das Land zerstört und hat sich noch nicht aus seiner Asche erhoben. Miteinander Teilen hat zukunftsträchtige Projekte zum Wiederaufbau gefunden, die Hoffnungsträger und solidarische Akteure sind. Dies sind die Projekte, die wir durch unsere Fastenzeitkollekten unterstützen werden. So sollen wir nicht länger auf uns selbst konzentriert sein, sondern mit der gesamten Menschheit in einer geheimnisvollen Gemeinschaft mit unserem Herrn vereint sein, die Leiden, Tod und Auferstehung miteinander verbindet.

Lasst uns in dieser Fastenzeit unsere Herzen mit Gott und unseren Brüdern vereinen. Lasst uns eine Bekehrung in Gemeinschaft mit den Katechumenen leben, die die Taufe empfangen werden. Lasst uns bereit sein, die Gnade der Auferstehung Christi im Leben eines jeden Einzelnen zu empfangen und für das Heil der gesamten Menschheit zu beten.

Ihnen allen eine besinnliche Fastenzeit!

† Jean-Pierre Delville, Ihr Bischof