Leidenschaft und Auferstehung der Philippinen

Liebe Brüder und Schwestern,

In diesem Jahr konzentriert sich die Fastenaktion auf die Philippinen. Diese Pazifikinseln (durch)leben einen wahren Kreuzweg, aber sie sind auch vom Glauben an die Auferstehung geprägt.

Auf der Insel Jolo wurden am 27. Januar 2019 bei einem Selbstmordanschlag 27 Menschen in der Kathedrale Unsere Liebe Frau vom Berg Karmel getötet. Und am 30. Januar wurde ein Granatenangriff auf die Zamboanga-Moschee südwestlich der Insel Mindanao verübt und forderte zwei muslimische Opfer. So wurden Märtyrer beider Religionen zu Opfern der Gewalt, die inmitten von Friedensstiftern entfesselt wurde. Die Märtyrer des 21. Jahrhunderts fordern uns zu Beginn der Fastenzeit in unserem Glauben heraus. Sie zeigen uns das konkrete Engagement der Gläubigen und die Intensität ihres Glaubens.

Reisplantage auf Mindanao

Denn Friedensstifter gibt es: so wurde am 21. Januar auf der Insel Mindanao und den Nachbarinseln ein Referendum abgehalten, um über die Schaffung einer autonomen Region namens Bangsamoro zu entscheiden, in der Muslime und die indigene Bevölkerung neben den Katholiken eine große Autonomie zugesprochen wird. Die Ergebnisse zeigten, dass 86% der Bevölkerung diese Autonomie befürworten. Nach Jahren der Spannungen und eines unterschwelligen Bürgerkriegs bedeutet dies die Anerkennung der Besonderheiten eines jeden und einen großen Schritt in Richtung Frieden.

Also lasst uns diesen Friedensstiftern helfen! Sie fragen sich sicher, was wir tun können. Ich habe den guten Willen der Menschen und ihre wirtschaftliche Dynamik gesehen, als ich die Entwicklungshilfeprojekte besuchte, die unsere Kirche dort mit Hilfe von Miteinander Teilen fördert (s. Wort des Bischofs B.O. Nr 5 Sept.-Okt. 2018). Vertreter der philippinischen Gemeinden werden während dieser Fastenzeit nach Belgien kommen. Wir werden die Gelegenheit haben, sie zu treffen, ihr Engagement für die Solidarität zu verstehen, ihren Mut angesichts der Widrigkeiten und ihren christlichen Glauben anzuerkennen. Nehmen wir ihre Aussagen ernst und unterstützen wir sie durch unseren finanziellen Beitrag. Alle sind Friedensstifter auf diesem Gebiet und Förderer der ökologischen Kultur.

Wir möchten ökologische Landwirtschaftsprojekte unterstützen, die mit organischen Düngemitteln arbeiten. Diese Projekte werden vor Ort von Modellbetrieben und motivierten Landwirten entwickelt. Bürgerorganisationen fördern auch die Agrarreform und erlauben Landwirten, Besitzer ihres Landes zu sein. Schließlich unterstützen wir die Küstenfischer, die sich für ökologischen Fischfang, die Verbannung großer Trawler aus den Hoheitsgewässern und den Schutz der Küsten vor Erosion durch die Bepflanzung der Strände und Dünen mit Mangrovenbäumen einsetzen.

Bischof Delville mit Dorfbewohnern

Wie im Lukasevangelium zu Beginn der Fastenzeit geschrieben: « Erfüllt vom Heiligen Geist, kehrte Jesus vom Jordan zurück. Er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt […] »(Luk 4,1). Der Geist führt uns in unbekannte Regionen und lädt uns ein, Gott auf andere Weise zu entdecken. Lassen auch wir uns vom Geist, dem Atem Gottes, leiten, und entdecken wir die verborgenen Seiten der Dinge. So wie Jesus der Versuchung in der Wüste widerstand, lasst uns der Versuchung widerstehen, alles nur auf uns bezogen zu tun, und vertrauen wir auf Gott, auf seine überwältigende Botschaft und auf die Freundschaft mit unserem Nächsten. Es geht darum, dass wir uns von Gott formen lassen und den Versuchungen der Macht entsagen. Als er die Versuchungen überwunden hatte, “kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend“ (Luk 4,14). Wenn wir unser Herz Gott und unseren Brüder öffnen, werden auch wir zu Zeugen für unsere Welt, und unser Glaube wird ausstrahlen in unserem geliebten Galiläa, der Diözese Lüttich!

Ihnen allen eine besinnliche Fastenzeit!

+ Jean-Pierre DELVILLE, Ihr Bischof