Kloster St. Raphael Montenau Schließt  zum monatsende  die Pforte

Nach 90 Jahren werden die Steyler Missionare Montenau  verlassen. In der alten Villa « Grisar » leben noch eine Ordensfrau und zwei Ordensbrüder. Nun steht das Steyler Ordenshaus vor dem Aus.Der Rückzug der Steyler wird in der Bevölkerung mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen.

von Lothar Klinges

Ob Pfarrpastoral, Gottesdienste, Besinnungs- und Einkehrtage – die Steyler Missionare sind eng mit den Menschen in und um Montenau verbunden. Für viele Menschen war dieses Haus eine wichtige Anlaufstelle und war tief verwurzelt in der Eifeler Bevölkerung. « Die Gäste, die wir aufgenommen haben, teilten mit uns den Alltag, schwiegen und beteten mit uns oder teilten mit uns die Suche nach dem eigenen Weg. Dabei spürten sie, dass sie alles sagen durften, ohne verurteilt zu werden, » sagt Pater Peter Mertes. 

Für die drei verbleibenden Ordensleute ist dieser Schritt schmerzhaft, war aber auch absehbar: Sr. Elisabeth ist 82 Jahre alt, Pater Peter Mertes ist 81 Jahre und Bruder Michael ist 52 Jahre.  Der Unterhalt des Klosters stellte für die drei Personen eine zu große Herausforderung dar.

Viele Ordensgemeinschaften verzeichnen einen starken Mitgliederrückgang, wenngleich die Steyler Kongregation, als sechsgrößte Ordensgemeinschaft, bis vor drei Jahren weltweit noch steigende Zahlen verzeichnen konnte und heute etwa 6.000 Mitbrüder zählt. Die größten Gruppen kommen allerdings aus Indonesien, Indien und den Philippinen, wo sich die Nachwuchsgebiete befinden. Für Europa zählt der Orden nur vier Novizen. Es fehlen Neueintritte, und immer mehr Ordensmitglieder sind im hohen Alter.  Einige Mitbrüder aus Übersee, die sich im Kloster Montenau aufhielten, haben das Haus wieder verlassen.

Nach intensiven Überlegungen hat die aktuelle Gemeinschaft entschlossen, sich zurückzuziehen.  « Wir können es nicht so weiterlaufen lassen », verweist Bruder Michael auf die Entscheidung, die in Verantwortung für die Zukunft getroffen werden muss. Die Zukunft des Hauses ist offen. Dem Steyler Orden liegt sehr daran, eine Gemeinschaft im kontemplativ-missionarischen Geist weiter zu erhalten. « In den vielen Jahrzehnten ist sehr viel Gutes geschehen, » weiß aus Erfahrung Pater Mertes, der auf eine « glückliche Zeit » zurückblickt. Die Ordensgemeinschaft hat zahlreiche Gäste empfangen, die im Haus Erholung  und Stille suchten. Exerzitien und Besinnungstage, sowie Tage der Stille wurden in der Vergangenheit angeboten.  Das Haus war ein Begegnungsort für Menschen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, für Menschen, die das Gespräch suchten oder das Gebet und das einfache Leben mit den Ordensleuten teilen wollten. Mit Gottesdiensten in der Hauskapelle und Gesprächsangeboten haben die Steyler zahlreichen Gläubigen Heimat geboten. « Gerade in einer hochtechnisierten Welt sind ‘Auszeiten’ voll im Trend », betont Peter Mertes, dessen Gemeinschaft sich immer von der Bevölkerung getragen fühlte.  All das wird Ende August 2018 Geschichte sein. Zurzeit läuft die Räumung des Klosters und der Umzug der Gemeinschaft.  Überall stapeln sich die Kisten mit Zielort Steyl oder Provinzialat Teteringen.  Manches geht in Richtung Caritas St. Vith oder in die Missionsgebiete.

Noch steht nicht fest, was aus dem Kloster und der Bildungsstätte wird.  Die Zukunft ist noch ungewiss, bedauert Peter Mertes, der hofft, dass andere hier etwas Neues und Gutes aufbauen und weiterführen können, denn auch heute seien viele Menschen auf der Suche nach « heilenden Orten ».

Wenn die drei letzten Ordensleute das Kloster St.Raphael Montenau Ende August verlassen, geht ein Stück Geschichte zu Ende. Kurz vor ihrem Weggang führten wir ein Gespräch mit Bruder Michael Ertl und Pater Peter Mertes.

– Worin bestand Ihre bisherige Aufgabe im Kloster Montenau?

Peter Mertes: Ich bin in Montenau den Weg der Stille, der Besinnung und des Gebetes gegangen. Die Stille ist mit einer inneren, manchmal harten Auseinandersetzung verbunden, um meinem Leben eine Richtung zu geben. Wir haben ein einfaches, bescheidenes Leben geführt. Jedes Jahr habe ich außerhalb des Hauses fünf Exerzitien-Wochen gepredigt und dabei viele persönliche Gespräche geführt. Auch in Montenau habe ich mit vielen Gästen und Besuchern geistliche Gespräche geführt. Drei Begriffe waren mir immer wichtig: Liebe empfangen und geben, durch sein Leben fruchtbar sein und mit seinen Grenzen umgehen lernen.  Mir war auch immer wichtig, dass wir für unsere Gemeinschaft im Haus eine externe Begleitung hatten.

Michael Ertl: Da waren zunächst die täglichen Arbeiten im Haus und um das Haus, sowie im Garten. Hinzu kamen Fahrdienste, Einkäufe machen und die Buchhaltung für unsere Gemeinschaft. Sehr bald kamen pastorale Aufgaben hinzu wie das Begleiten von Einzelexerzitien, geistliche Begleitung aber auch das eine oder andere offene Angebot wie seit 2002 die Exerzitien im Alltag.

– Die allgemeine Entwicklung in den Klöstern scheint eher entmutigend zu sein. Rückgang der Berufungen europaweit, Schließung von Klöstern, die Zahl der Ordensleute geht zurück.  Gibt es überhaupt Lichtblicke?

Peter Mertes: Das Wort « Krise », welche die Orden zurzeit erleben, kommt aus dem Griechischen und bedeutet « Schneiden » oder « Teilen ». Beim Schneiden entstehen zwei Teile. Eine Krise hilft somit, sich zu entscheiden, um Klarheit zu schaffen. Eine Krise ist eine Chance und Herausforderung, sich zu entscheiden. Die Zeit der Volkskirche ist zu Ende.  Die Erneuerung ist noch immer von kleinen Gruppen ausgegangen.

Michael Ertl: Der Steyler Orden zählt weltweit 344 Novizen, darunter nur vier in Europa, davon zwei Slovaken, einen Rumänen und einen Deutschen. Wir stehen in Europa nicht besser da als die meisten anderen Ordensgemeinschaften. Ich sehe das persönlich nicht so dramatisch, denn es fordert uns auf, nach- und umzudenken.  Seit über zwanzig Jahren erhalten junge Mitbrüder aus Übersee ihre Missionsbestimmungen auch für Europa, das nicht mehr der große aussendende Kontinent von Missionaren ist, sondern zu einem empfangenden Kontinent geworden ist. Derzeit arbeiten über 270 junge Steyler aus Übersee in Europa. Manchmal verläuft die Inkulturation gut, manchmal nur mangelhaft.  Die Sprache bleibt eines der größten Stolpersteine auf diesem Weg. Wir können und dürfen  in Europa aber nicht nur unsere Lücken füllen, sondern müssen neue Wege und Formen finden, wie kirchliches Leben in Europa heute aussehen kann.

– Welche neuen Aufgaben erwarten Sie?

Peter Mertes: Zusammen mit Sr. Elisabeth Ossemann begebe ich mich in das St. Michaelskloster in Steyl (NL), südlich von Venlo. Dort beziehen wir einen kleinen Wohntrakt, d. h. einen Flur mit einigen Zimmern, wo wir Gäste empfangen können und wie bisher das missionarisch-kontemplative Ordensleben weiterführen können. Ich bin der Ordensleitung sehr dankbar, dass das möglich ist. Sr. Elisabeth und ich werden das stille Gebetsleben weiterführen und auch Menschen, die es wünschen, daran teilnehmen lassen. Gleichzeitig werden wir an der großen Gemeinschaft des Michaelsklosters mit zurzeit 35 Mitbrüdern teilnehmen.

Michael Ertl: In Nemi bei Rom unterhält der Orden ein internationales Spiritualitäts- und Konferenzzentrum. Für Konferenzen und Seminare verschiedener Gemeinschaften wird die Infrastruktur des Hauses zur Verfügung gestellt. Mitbrüder aus der ganzen Welt können auch an dreimonatigen Erneuerungskursen oder an anderen Kursen teilnehmen. Für diese Kurse begebe ich mich jetzt nach Nemi und dort mehr im spirituellen Bereich mitarbeiten, d. h. dem Angebot von Exerzitien, geistlicher Begleitung und Einkehrtagen, sowie der Begleitung der Mitbrüder bei Wallfahrten.

– Was bewegt Sie kurz vor dem Weggang von Montenau?

Peter Mertes: Ich habe vor allem ein Gefühl des Dankes für alles, war ich hier erleben durfte. Hoffentlich lebt der Geist des Klosters über die Gegenwart hinweg. Die Menschen müssen sich Zeit und Energie für die Besinnung frei machen. Gerade die Stille, das Schweigen und die innere Konfrontation müssen unserem Tun vorausgehen. Mein Wunsch ist es, dass sich die Menschen von der Frohen Botschaft ansprechen lassen, immer wieder versuchen, beim Herrn zu sein und sich von ihm senden lassen, auch wenn wir nicht mehr hier sind.

Michael Ertl: Mich bewegt vor allem Dankbarkeit für 15 Jahre in der Klostergemeinschaft von Montenau, Dankbarkeit für das Leben hier in der schönen Eifel, die mir sicher fehlen wird, Dankbarkeit für viele schöne Begegnungen mit der Bevölkerung, die mich hier aufgenommen und wertgeschätzt hat.

Peter Mertes, Michael Ertl und Elisabeth Ossemann

Dem Wunsch nach einem kontemplativen Leben nachgegangen

  • Peter Mertes, Jahrgang 1937, wurde in Montenau geboren und war insbesondere in der Erziehung der Jugend in Overijse und später bei den Studenten in Löwen tätig. Seit 32 Jahren lebte er im Kloster Montenau in der Stille und versuchte ein missionarisch-kontemplatives Leben zu führen.
  • Michael Ertl, Jahrgang 1966, geboren in Rottach-Egern am Tegernsee zwischen München und Innsbruck, an der Tiroler Grenze, hat nach der Schulzeit eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann gemacht und im elterlichen Geschäft mitgearbeitet. Da ihn der Beruf nicht wirklich erfüllte, hat er sich neu orientiert. Nach einer Erfahrung als Missionar auf Zeit in Argentinien trat er im Herbst 1989 in die Steyler Gemeinschaft ein. Noviziat und Ausbildung zum Pastoralassistenten hat er in Österreich gemacht und erste pastorale Erfahrungen in einer Pfarre und in einem Jugendzentrum gesammelt. Danach ging es für einige Jahre zurück nach Südamerika, diesmal nach Chile. Trotz seiner Entscheidung, in einer missionarischen Ordensgemeinschaft einzutreten, fühlte er sich im Jahr 2000 gedrängt, seinem Wunsch nach einem kontemplativen Leben nachzugehen. Mitbrüder machten ihm darauf aufmerksam, dass es in Montenau eine kleine Gemeinschaft gibt, die sich als missionarisch-kontemplativ bezeichnet und in der versucht wird, die beiden Aspekte in eine Lebensform zu bringen. « In unserer säkularisierten Gesellschaft gibt es einen Hunger nach Spiritualität. So braucht es kleine Inseln, Tankstellen, an denen man als Gast andocken, mitleben, sich aussprechen, Fragen stellen darf », erklärte Michael Ertl. « Das habe ich in Montenau erfahren, als ich im Jahr 2000 für drei Monate hier sein durfte. » Im Jahr 2001 kam der damals 35-jährige Ordensmann in die Gemeinschaft des Klosters Montenau, die damals noch sieben Personen zählte. Von 2007 bis 2010 war er zwischenzeitlich Leiter des deutschsprachigen Noviziats der Steyler Missionare in Berlin und seitdem wieder im Kloster Montenau.
  • Schließlich gehört Elisabeth Ossemann, Jahrgang 1936, aus Eupen, von Beruf Familienhelferin, seit 22 Jahren der Gemeinschaft in Montenau an. « Wir verstehen uns als eine missionarisch-kontemplative Gemeinschaft für Menschen, welche die Stille oder das Gespräch suchen. »
INFO

Abschiedsgottesdienst zur Schließung des Klosters Montenau

In Dankbarkeit für all das, was in den vergangenen Jahren gewachsen ist und im Schmerz des Abschieds laden die drei letzten Ordensleute zu einem Abschiedsgottesdienst ein.  Der Gottesdienst findet am Sonntag, 26. August 2018, um 14.00 Uhr in der Pfarrkirche Iveldingen statt. Dem Gottesdienst steht Pater Peter Mertes vor, belgeitet vom Provinzial der niederländisch-belgischen Ordensprovinz, Avin Kunnekkadan, dem ersten nichteuropäischen Provinzial in Europa, sowie dem Vizeprovinzial Bert Wooning und dem Ameler Pastor Günter Weinand. Die Abschiedspredigt hält Peter Mertes. « Es braucht besinnliche, nachdenkliche und betende Menschen, um den entscheidenden Moment, den guten Augenblick nicht zu verpassen. » So lautet einer seiner Grundgedanken. « Aus dem Sein beim Herrn folgt die Mission, das Tun. »  An den Gottesdienst schließt sich ein Empfang mit Dankesworten in der Schützenhalle Montenau an. Dazu herzliche Einladung an alle.

HINTERGRUND

90 Jahre Kloster St.Raphael Montenau

Vor 90 Jahren, im Jahre 1928 wechselte die Villa « Grisar », die der Antwerpener Kaufmann Grisar als Landsitz nur wenige Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges in unmittelbarer Nähe zum Wolfsbusch erbauen ließ, nicht ohne das unermüdliche Engagement der beiden Seelsorger Lambert Lambertz von Amel und Hubert Keufgens von Recht in die Hände der Steyler Missionsgesellschaft (SVD), um dort eine Ordensschule bzw. ein Studienhaus für Ordensanwärter  einzurichten. Aus einer Ordensschule in Montenau wurde allerdings nichts, und das Haus wurde ein Erholungsheim. Die hier untergebrachten Mitbrüder  Hubert Fincken, Piet Hermans, Johan Peters, Marcel Boden, Jan Swinkels, Hermann Breitenbach, Aloys Becker, Cornelius Vanderlinden, Jan Goeman, Theo Jansen, und wahrscheinlich noch einige andere mehr übernahmen oftmals die Seelsorge in den umliegenden Pfarren, darunter natürlich in Iveldingen-Montenau, aber auch in Deidenberg, Hünningen, Mackenbach, Recht, Wallerode, Meyerode-Medell, Herresbach, Wiesenbach, Neidingen, Born, usw.

In den Jahren 1938-1939 wurde die bestehende Infrastruktur ausgebaut. Aber die politischen Verhältnisse jener Tage durchkreuzten die SVD-Pläne. Nur wenige Monate nach Beendigung des Bauprojektes brach der Zweite Weltkrieg aus. Von einer Inbetriebnahme des Klosteranbaus als Erholungsstätte konnte keine Rede mehr sein.  Die Nationalsozialisten nahmen das frisch bezugsfertige Gebäude ab 1941 in Beschlag und richteten hier ein Wehrmachtslazarett ein.  Von 1945 bis 1951 befand sich die Bischöfliche Schule St.Vith im Anbau des Klosters.

Nachdem die Bischöfliche Schule nach St.Vith übergesiedelt war, stand der Anbau des Klosters für seine eigentliche Aufgabe zur Verfügung. Neben den Steyler Missionaren, die hier regelmäßig nach der aufreibenden Arbeit in den Missionen ihren Heimaturlaub verbrachten, wurde das Gebäude zunehmend auch für Exerzitienkurse und Studientagungen  genutzt. In der Villa « Grisar » residierten weiterhin einige Steyler Brüder und Patres. Doch sah sich die Ordensgemeinschaft 1987 gezwungen, aufgrund des Mangels an Berufungen ihre Patres aus dem Kloster abzuziehen.

Schnell war man sich einig, das Gebäude in Montenau als Zentrum für die Gegend zu erhalten. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Ordensgesellschaft, der Pfarre Iveldingen-Montenau, des Seelsorgerates und der Gruppierungen, die das Haus regelmäßig benutzten, wurde gebildet.

Das Gebäude erhielt eine neue zweigleisige Zweckbestimmung. Während in die Villa « Grisar » eine Gemeinschaft im missionarisch-kontemplativen Geist  um den aus Montenau stammenden Steyler Pater Peter Mertes einzog, wurde der angegliederte Trakt von der neugegründeten VoG « Bildungsstätte Kloster Montenau »  angemietet und weiterhin als Zentrum für Exerzitien und Tagungen genutzt. Die missionarisch-kontemplative Gemeinschaft setzte sich aus Frauen und Männern zusammen, darunter auch einige Schulschwestern von Vorselaar (Antwerpen), die bis 2016 Teil der Gemeinschaft waren. Am 31. August 2018 verlassen die letzten drei Ordensleute, Elisabeth Ossemann, Michael Ertl und Peter Mertes, die Klosterstätte.  (kli)

Foto von einer Ballonfahrt im September 2011

Fotos von den drei letzten Ordensleuten im Kloster St. Raphael Montenau